Alexander Stepp: „Statt an Frauenrechten zu rütteln und „Lifestyle-Teilzeit“ zu skandalisieren, muss die Politik endlich A13 für alle Lehrkräfte, faire Arbeitsbedingungen und echte Wahlfreiheit schaffen, statt die Realität des Lehrkräftemangels und der dauerhaften Überlastung der Kolleginnen und Kollegen an den Schulen auszublenden.“
„Mit der aktuellen Debatte um eine sogenannte ‚Lifestyle-Teilzeit‘ wird suggeriert, Teilzeit sei eine bequem gewählte Option für ein bisschen mehr Freizeit. Für Lehrkräfte, von denen bundesweit drei von vier Frauen sind, ist aber das Gegenteil richtig: Viele reduzieren ihre Stundenzahl, um die ausufernde Arbeitsbelastung überhaupt noch bewältigen zu können. Unterrichtsvorbereitung, Korrekturen, Elterngespräche, digitale Kommunikation und eine Vielzahl schulischer Zusatzaufgaben sind im vorgegebenen Stundenkontingent häufig nicht mehr zu leisten, sodass die reduzierte Arbeitslast faktisch weiterhin in Vollzeit erledigt wird – nur mit weniger Bezahlung“, betont Alexander Stepp, stellvertretender Landesvorsitzender und gewerkschaftspolitischer Sprecher des Verbandes Bildung und Erziehung Rheinland-Pfalz (VBE), anlässlich des heutigen Equal Pay Day.
Statt Lehrkräfte pauschal zu mehr Arbeitszeit zu drängen, müssen strukturelle Probleme im System Schule gelöst werden. Viele Lehrkräfte gehen nicht aus „Lust auf mehr Freizeit“ in Teilzeit, sondern weil sie überlastet sind oder Care-Arbeit übernehmen. Dies würde die Erwerbsbeteiligung von Frauen spürbar gefährden.
Lars Lamowski, Landesvorsitzender des VBE Rheinland-Pfalz, ergänzt: „Die Debatte verkennt, dass schon heute ein erheblicher Teil der Arbeitsleistung von Lehrkräften unbezahlt erbracht wird. Wer in einer solchen Situation Teilzeit beschneidet, erhöht nicht die Produktivität, sondern das Risiko von Burnout, Berufsausstieg und weiterwachsendem Fachkräftemangel an Schulen. Auch die Attraktivität des Berufes leidet darunter.
Zudem ist Teilzeit kein kostenfreies Komfortmodell, sondern mit gravierenden Nachteilen verbunden. Wer Stunden reduziert, muss Einkommenseinbußen hinnehmen, verliert oftmals Karrierechancen – etwa bei Leitungs- oder Funktionsstellen – und hat langfristig spürbare Nachteile bei Pension und Rente. Insbesondere so lange die gleichwertige Arbeit der Kolleginnen und Kollegen an den Grundschulen nicht gleich bezahlt wird“
Der VBE fordert die politisch Verantwortlichen deshalb auf,
- den Rechtsanspruch auf Teilzeit unangetastet zu lassen und flexible Arbeitszeitmodelle auszubauen,
- die Bezahlung von Lehrkräften geschlechtergerecht zu gestalten und endlich „gleiches Geld für gleiche Arbeit“ in allen Schulformen umzusetzen,
- Arbeitsbedingungen so zu verbessern, dass Lehrkräfte nicht länger aus purer Überlastung in Teilzeit flüchten müssen,
- Maßnahmen gegen den Gender Pay Gap konsequent umzusetzen, sodass Equal Pay Day und Equal Care Day endlich überflüssig werden.
Gleichberechtigung geht nicht in Teilzeit – weder bei der Bezahlung noch bei den Rechten von Lehrerinnen und Lehrern.