Junge Pädagogen

Qualitätsprogramm pädagogisch sinnvoll möglich machen!

Seit dem Schuljahr 2002/2003 müssen die rheinland-pfälzischen Schulen ihr jeweiliges „Qualitätsprogramm“ entwickeln und schriftlich festhalten. Das Ministerium sieht darin eine konsequente Weiterentwicklung der seit 1999 gestarteten „Qualitätsoffensive“ im Schulbereich. Dabei sollen die zu erbringenden schulischen Leistungen vor allem durch Bildungs- und Unterrichtsstandards verbessert werden. Externe Evaluationen sollen diese Standards überprüfbar machen und als Indikatoren für Kompetenz im Bildungsbereich dienen.

Der VBE stellt fest:

Leistungen können nur erbracht werden, wenn die Bedingungen dazu stimmen. Jedes Kind möchte Leistung erbringen. Diese positive Grundeinstellung ist für die individuelle und auch soziale Leistung essentiell. Die Schule muss in die Lage versetzt werden, diese positive Grundeinstellung zu erhalten und die Fähigkeiten des Kindes mit einer realistischen Selbsteinschätzung zu verbinden. Die Forderung nach Leistung ist pädagogisch sinnvoll; das Erbringen und die Anerkennung von Leistung ist motivierend, schafft Zufriedenheit und Selbstsicherheit.

Leistung schafft Mündigkeit. Mündigkeit ist ein wichtiges Bildungsziel von Schule, die zu selbstständigen und verantwortungsvollen Bürgerinnen und Bürgern erziehen will. Sie muss die Erziehung zu Menschen mitgestalten können, die den gesellschaftlichen Anforderungen und den stetigen Veränderungen gewachsen sind. Dies ist nur umsetzbar, wenn die Schule die Fähigkeit zur individuellen Leistungen und wenn sie Erfahrungen über die eigene Leistungsfähigkeit vermitteln kann. Lernen, Bildung und die Fähigkeit zur Leistungserbringung entsprechen den emanzipatorischen Zielen unserer Demokratie. Es muss gewährleistet sein, dass auch Kinder mit geringeren Leistungschancen gezielt gefördert und zu einem bestmöglichen Bildungsniveau heran geführt werden können.


Der VBE fordert:
Qualität und Leistung sind zwingend nach pädagogischen Maßstäben zu beurteilen. Bei der Entwicklung von Menschen muss ein anderer Leistungsbegriff zu Grunde gelegt werden als der physikalische. Qualitative Leistungsförderung muss sowohl im kognitiven als auch im sozialen Leistungsbereich gefördert und berücksichtigt werden. Schule ist keine „Leistung produzierende Fabrik“. Die Förderung junger Menschen in allen Belangen ist ein langwieriger und pädagogisch sukzessiver Entwicklungsprozess. Daher muss die Schule in die Lage versetzt werden, ihr Qualitätsprogramm in kleinschrittigen Ansätzen als pädagogisches Gesamtkonzept entwickeln und durchführen zu können.

Lernen muss so organisiert werden, dass die Schuler/innen die Qualität ihrer individuellen Leistung beurteilen können. Dazu müssen unterschiedliche Begabungen und Leistungsvermögen individuell und differenziert gefördert werden können. Die Ganztagsschule in neuer Form ist in ihrer bisherigen Konzeption keine Schulorganisation, die die gezielte Förderung sowohl lernschwacher als auch besonders begabter Schüler/innen forcieren kann. Ein Überdenken des derzeitigen Konzeptes scheint aus pädagogischer und didaktischer Sicht zwingend gegeben.

Guter Unterricht und ein schlüssiges Qualitätsprogramm sind keine Garanten für gute Schülerleistungen. Viele Faktoren außerhalb der Schule spielen hier eine gewichtige Rolle. Die Landesregierung muss mit einem schlüssigen Gesamtkonzept für Kindheit, Jugend und Ausbildung die Voraussetzungen für bestmögliche Leistungen und Bildungsniveaus schaffen. Hier sind im vorschulischen Bereich besonders die Kinder- und Tagesstätten gefordert. Schultauglichkeit, sowohl im sprachlichen als auch im sozialen Bereich muss hier das Erziehungsziel sein, dass besonders gefördert werden muss.

Um dem umfassenden Bildungsauftrag Rechnung tragen zu können, benötigt die Schule die gezielte und permanente Unterstützung durch Sozialpädagogen, Eltern und pädagogische Netzwerke.

Flächendeckende Vergleichstests und die für das Qualitätsprogramm vorgesehene externe Evaluation machen weder aus pädagogischer noch aus statistischer Sicht Sinn, weil die lokalen Besonderheiten der Leistungs- und Qualitätsentwicklung nicht ausreichend berücksichtigt werden können, um repräsentative Ergebnisse zu liefern. Schule und Unterricht unterliegen dynamischen, nicht linearen Prozessen, die sich rechnerisch nur mangelhaft erfassen lassen.

Grundsätzlich gilt: Die Qualität von Schule und Unterricht steht und fällt mit einer den gesellschaftlichen Anforderungen entsprechenden finanziellen und personellen Ausstattung des Bildungssystems und der damit einhergehenden Professionalität von gut ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern. Dies umfassend zu fördern, muss vordringliches Ziel der Qualitätsoffensive sein in Rheinland-Pfalz sein.